(R)Evolution und Überleben

Karina hat einen interessanten Artikel geschrieben, den nehme ich als Anlass um eine paar Gedanken loszuwerden. Wie immer, nicht wissenschaftlich sondern für (hoffentlich)jedermann verständlich und mit einem liebevollen flapsigen Ton 🙂

Mikrobiologie ist meine größte Leidenschaft, ich liebe das ganze Viehzeug und behandle es mit Respekt. Nun mögen manche schief lächeln, ich lächle mal zurück.

Wir hochentwickelten Lebewesen bekämpfen und ändern alles was uns nicht in den Kram passt. Der neueste Trend heisst „Antimikrobiell“.

WTF, sag ich nur!

Da wird wie verrückt für Haushaltsprodukte geworben mit denen man Flächen und Sonstiges desinfizieren soll. Häbidde??? Brauche ich überhaupt in einem normalen Haushalt desinfizierte Flächen? Muss ich keimfrei leben, mal abgesehen davon das keines der Produkte Keimfreiheit bietet? Desinfektion ist eine Wissenschaft für sich und hat im Alltag des Otto-Normal-Verbrauchers nix zu suchen! In meiner Küche habe ich eine Fläche in der nur Fleisch verarbeitet wird, mit Messern und Schneidbretter ausschließlich für Fleisch. Händewaschen nach jedem Klogang und vor jeder Lebensmittelzubereitung ist auch selbstverständlich.  Ich sorge nur dafür das Keime in ihrer natürlichen Umgebung bleiben und sich nicht übermäßig vermehren. Das ist Hygiene und „antibakteriell“ gibt es in meinem Haushalt nicht.

Antibiotika werden wahllos verschrieben, was produziert wird muss auch weg… Wir Menschen haben die Multiresistenten Keime produziert, nicht im Labor sondern da wo wir bekämpft haben.

Je einfacher ein Organismus desto schneller passt er sich an. Es geht ums Überleben, und zwar nicht das Überleben des Einzelnen sondern der Spezies. Da tue ich mich nötigenfalls auch mit meinem Nachbar zusammen um zu überleben, oder? Was ist schon dabei wenn Onkel Coli sich mit der entfernten Nichte Shigella zusammentut…da gibt’s bloß gesunde, kräftige und besonders wiederstandfähige Sprößlinge. Man hat sich halt angepasst, an was auch immer, oder man hat sich nur zusammengetan weil der Viezeuchgott (Mensch) die Gelegenheit bot.

Wenn wir von Lebewesen sprechen, von den Kleinsten bis zu den Größten, dann heisst es immer (sollte heißen): im Allgemeinen tut es das oder das. Im Allgemeinen impliziert die Möglichkeit der Ausnahme. Mit menschlicher Hilfe wird vor allem bei Bakterien aus „Ausnahme“ ein „im Allgemeinen“. Damit meine ich nicht ein Prozess unter Laborbedingungen sondern eine natürliche Anpassung in der zur Verfügung gestellten Lebensbedingungen. Je mehr wir bekämpfen um so stärker wird der Wiederstand!

Die wollen doch nur spielen überleben, also passen sie sich ihrer Umgebung an. Der Mensch hingegen passt seine Umgebung an seinen Bedürfnissen an. DAS ist der Unterschied und der Grund warum wir diese Kleinstlebewesen als Teil unseres Lebensraumes akzeptieren und achten sollten.

in diesem Sinne

Gruß an euch und euren Keimen 🙂

Diana

Kategorie Fauna | 7 Kommentare

7 Responses to (R)Evolution und Überleben

  1. Isi says:

    Mein Frauchen stimmt dir zu!
    Liebes Wuffi Isi

  2. Indigo says:

    Liebe Grüsse an alle Mütter die mit Desinfektionsmittel hinter ihren Krabbelkindern hinterher laufen um sie *klinisch rein* zu halten.
    Und an alle Hundebesitzer die ihre Hunde täglich baden um *Ungeziefer* zu vermeiden.

    Bussi Silvie

  3. Karina says:

    Interessant ist auch, dass Hochleistungskühe vom normalen Futter nicht mehr satt werden, sondern mit Eiweiss gefüttert werden müssen. Ihre Darmkeime haben sich dadurch verxfacht: http://www.faz.net/artikel/C31034/ehec-bakterien-keime-in-kuehen-30428345.html

    • derabgesandte says:

      Naja – wer für seine Milch so wenig wie möglich bezahlen will, darf sich nicht wundern, wenn die Bauern ihren „Verdienst“ über die Menge erzielen. Vielleicht sollten wir uns daran gewöhnen, für unsere Lebensmittel faire Preise zu bezahlen? Offensichtlich interessiert es niemanden, wie ein Bauer für deutlich unter 30 €ent einen Liter Milch, oder für 3 €uro ein Kilo Rindfleisch produzieren kann. Die gleichen Leute pusten sich dann künstlich auf, wenn es um die Zustände in Schlachthöfen oder Keime in Kuhdärmen geht.

  4. Marina says:

    Danke, das musste auch mal gesagt werden!

    @ Indi: Allergien sollen ja bei solch „steril“ lebenden Kindern häufiger sein, als bei denen, die sich noch schmutzig machen dürfen….

  5. Indigo says:

    stimmt Marina ist sogar erwiesen.

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