Soziales Referenzieren?

Seit Dixie bei uns ist, buddeln wir Löcher im Garten. Der war viele Jahre ungenutzt, und nach und nach kultivieren wir ihn wieder. Dabei sind jahrhundertealte, schon lange vor unsere Zeit abgesägte Baumstümpfe, aber auch Unmengen von Brombeeren und andere lustige, sich unterirdisch vermehrende Pflanzen, die an einigen Stellen ja sehr willkommen sind, an anderen Stellen, wo zum Beispiel Kartoffeln oder Erbsen oder auch neue Bäume hin sollen, schon eher hinderlich. Also buddeln wir, daß solche Schachtelsätze nicht mehr notwendig sind.*

Dixie, seit sie als Welpe ihre Augen öffnete, war schon immer ein geduldiger, aufmerksamer Beobachter. So liegt sie in der Küche und beobachtet, wie wir das Geschirr spülen. Wir malen uns aus, wie sie irgenwann unser Geschirr spült – und kringeln uns vor Kichern. Ebenso hat sie nun seit anderthalb Jahren beobachtet, daß immer wenn wir Menschen in der Erde buddeln, es darum geht, irgend eine Wurzel herauszuziehen. Bisher hat Dixie ihr eigenes buddeln ja eher zu Aufbewahrungszwecken genutzt, ihre ganz persönliche Vorratskammer, ihre Nahrungsaufbereitungs- und reifungsanlage. Bis heute.

Heute ging es wieder um eine Stelle, an der ein bisschen Wiese wachsen soll, und die wilden Büsche haben dieser den Kampf angesagt. Also wurde großräumig ausgegraben. Dixie half enthusiastisch mit – und legte ihre eigene Wurzel, die uns entgangen war, frei. Und setzt sich davor und schaut mich an.

Und schaut mich fragend an, ob ich die auch sehe.

Und war erst zufrieden, als ich die armdicke Wurzel rausgezogen hatte.

Ob das nun „social referencing“ ist oder nicht, weiß ich nicht. Und subtil war Dixies Blick nun wahrlich nicht. Aber irgendwie war diese Kommunikation unglaublich interessant.

Bis bald,

Herr und Frau Chen

* Anmerkung: Herr Chen hatte mal einen Professor, der konnte Schachtelsätze über mehrere Tage und Vorlesungen verteilen.

Kategorie Diary | 5 Kommentare

5 Responses to Soziales Referenzieren?

  1. Bjonda says:

    Unser Garten war viele Jahre sehr kultiviert und für Menschenaugen schön anzusehen. Seit Bjonda da ist wird er eher rekultiviert. Der kleine, freche Briard ist ebenfalls ein guter Beobachter. Sie kann stundenlang zuschauen und mich aufmunternd anschauen, wenn ich pflanze und gestalte. Nur geht das Ergebnis ihrer Beobachtungen meist wie ein Schuß nach hinten los. Madämmchen buddelt auch gerne Löcher und dicke Wurzeln aus, nur leider hängt an den meisten Wurzeln noch eine -meiner Meinung nach- brauchbare, schön anzusehende, oder eben erst neu eingesetzte Pflanze dran. Das fällt wohl eher nicht unter soziales Referenzieren? Oder? 😉

    Bjondafrauchen Anni
    die so langsam lernt den naturnahen Wildgarten zu lieben 😉

  2. Miriam says:

    ui, ich glaube Dixie ist über das Soziale Referenzieren schon hinaus, die Gute! Ich denke, sie hat das Hin- und Hergucken genutzt um mit Dir Joint Attention zu etablieren, gemeinsame Aufmerksamkeit. 😉 Und das mit unter achtzehn Monaten, beachtlich! Jetzt ist sie reif zum Sprechenlernen. Geschirrspülen kommt, glaube ich, später, aber darüber habe ich in meinen entwicklungspsychologischen Ausflügen noch nichts gelernt.

    Miriam

  3. Dixie says:

    @Miriam: würde mich freuen wenn du mir das mit dem „Joint Attention“ bein nächsten Treffen mal näher erklären könntest 😉 Auf jeden Fall macht es Spass zu sehen dass Dixie Dinge tut die ich ihr nicht beigebracht habe, zu meiner Unterstützung.

    @Anni: Dixie hat sich nicht anders als Bjonda benommen, nach dem Motto „ich mach dir alles nach, wir machen Dinge zusammen“. Dann hatte ich nur noch gepflanzt (und anschließend mit Steine gesichert!) nachdem ich irgend ein tolles Spiel mit ihr gespielt hatte – sie war dann müde und konnte nur noch zugucken 🙂 Wir haben ungefähr ein Jahr gebraucht um ihr so nebenbei beizubringen wo sie in unserer Abwesenheit im Garten buddeln darf – sie hat da so ihre Ecken (3), da wachsen dann vielleicht Knochenbäume oder Brötchenbüsche…Wir hatten ihr das Buddeln nicht grundsätzlich verboten sondern sie jedes Mal an eine Stelle geführt an der sie das darf – sozusagen ein Ersatz angeboten. Die strafenden Blicke mancher „Hundeexperten“ hatten wir in der Zeit meistens ignoriert: „Was ist den das für eine Erziehung, den Hund im eigenen Garten buddeln zu lassen???“. Also hör auf dein Bauch, du hast ein Briard 😉

    Frau Chen

  4. Emil says:

    Mmmh, ich darf im Garten eigentlich nicht buddeln. Aber wenn Herrchen und Frauchen buddeln, dann darf ich auch: http://www.emil.li/?p=273
    Hat mir auch keiner beigebracht, konnte ich schon. 🙂
    Wuff,
    Emil

  5. Bijou says:

    Buddeln ist klasse – ich darf überall buddeln, nur nicht im Garten. Aber da Herrchen immer noch keinen Zaun gebaut hat, gehe ich immer auf die Wiese – machmal darf ich das auch ganz allein und dann kann ich meine Buddelleidenschaft richtig ausleben.
    Liebe Briardgrüße von Bijou
    Und viel Spass beim Eckenbuddeln 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.